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NY SPECIAL.- America ist laut!

Veröffentlicht am 20.05.2018

NY SPECIAL.- America ist laut! Nicht dezent, sondern laut. Von morgens bis abends. Schon in Fort Pierce fuhr der Zug sozusagen durch die Werft und tutete Tag und Nacht. Irgendwann gewöhnt man sich dran und wundert sich, wenn es nicht tutet.
Durch ganz Florida begleiteten uns die Züge und jetzt, nördlich von NY, ist es (das Tuten) endlich wieder da. Die Busse machen einen Höllenlärm! Da sie alle mindestens 20 Jahre alt sind, es gibt bestimmt irgendwo eine Fabrik, die 20 Jahre alte Busse herstellt, rappeln sie auf den schlechten Straßen, daß man sich nicht unterhalten kann und einen Rückenschaden bekommt.
Aber komisch: sie fahren und fahren und die schlechten Straßen werden kaum repariert aber sie stehen immer zur Verfügung und bewältigen einen immensen Verkehr. Das ist wohl das Geheimnis, weshalb alles weiter geht und man sich durchaus daran gewöhnen kann. Bei uns werden die Straßen erst gesperrt, dann aufwendig repariert und in der Zwischenzeit bricht der Verkehr zusammen. Hier zählt nicht die perfekte Ingenieurleistung und ein aufwendiges Genehmigungsverfahren,
sondern einzig der Pragmatismus, es muss wieder gehen, irgendwie!
Die Autos des Fire Departments sind deutlich lauter, als die vielen Krankenwagen.
Diese bilden zumeist diese permanente Sirenen Geräuschkulisse, die man aus den Amerikanischen Filmen kennt. Gar nicht einmal so häufig, sind die Polizei Sirenen.
Dafür sieht man aber ständig irendwelche Polizeiwagen, die umher fahren. Vielleicht müssen die auch nicht so viel Büroarbeit machen!
Der Central Park ist ein Beispiel für problemloses Miteinander: du darfst nicht rauchen, Alkohol trinken, nicht grillen, nicht Krawall, machen, nicht deinen Müll liegen lassen. Du kannst dich überall hinlegen, alleine sein, in der Gruppe sein, Sport treiben, die Menschen (anständig) unterhalten und auch sonst alles, was nicht anstößig ist. Es funktioniert erstaunlich gut und das ist auch dringend nötig, bei den tausenden Menschen, die den Park nutzen. Auch hier ist der Konsens der Menschen beeindruckend. Jeder ist Bestandteil eines funktionierenden Ganzen. Die permanente Präsenz der Polizei trägt ein übriges dazu bei.- Mit dem ausgeprägten
Individualismus der Berliner geht das nicht. Beispiel Tiergarten. Eher wird der Park auf unbestimmte Zeit gesperrt.

 

 

 


NY hat Menschenmengen zu verdauen, die für uns nicht vorstellbar sind. Die Straßen sind voll, von allem, was fahren oder laufen kann, und das rund um die Uhr! Die Menschen sprechen lauter als anderswo. Um sich zu unterhalten, bemerkbar zu machen, den anderen nieder zu brüllen, stärker zu erscheinen und überhaupt zu bestehen.
Herr Trump redet gegen die Mexikaner, Hispanos, alle rausschmeißen!
Wenn das gelingen würde, würde die USA zusammen brechen. Es gibt kein Restaurant, keinen Imbis, keinen Laden, kein Hotel und vor allem keinen Handwerker, der nicht Hispanos, als billige Arbeitskraft, beschäftigt. Auch in den Trump Towers dürften hunderte Hispanos arbeiten.
Alles geht irgendwie! Der Reiz und auch der Zwang erfolgreich zu sein, keiner ist stolz auf sein Proletariat, ist extrem motivierend und treibt alle an - egal, wie weit er in der Hierarchie gekommen ist. Die Menschen, die nicht mitrennen, fallen heraus aus dem System. Solidarität liegt ausschließlich bei den einzelnen Menschen.-

Nun ist es doch kein Reisebericht über NY geworden. Natürlich sind wir durch Down- und Uptown gefahren, haben viele Sehenswürdigkeiten gesehen, haben uns die Füße wund gelaufen und waren fasziniert und begeistert. Aber die Menschen, die dort unterwegs sind, haben uns am meisten beschäftigt. Ist dieses Zusammenleben ein Modell für die Zukunft? Wird es alle Großstädte mehr oder weniger betreffen?

Vielleicht durch unsere andere Art zu reisen, mit Broadsword, langsam unterwegs zu sein, ist unsere Betrachtung differenzierter geworden. - Mit dem eigenen Schiff unter der Verranzano Brücke (vertical clearance 75 m) durch zu fahren, auf 150 yards an die Else heran zu kommen, die alten Piers von Manhattan, wo der Linienverkehr von Europa landete, zu passieren, ist schon beeindruckend und ein tolles Gefühl!