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Stromab - Stromauf, über Mississippi, Ohio und Tennessee

Veröffentlicht am 26.08.2018

Wir verabschieden Rene nach Berlin und fahren zurück nach Alton. Zwei Tage später kommt Jürgen etwas erschöpft nach 30 Std im Morgengrauen in St louis an. Ausgiebiger Schlaf und ein gutes, großes Steak bei "Tonys" bringen ihn wieder auf die Beine. Noch ein Ausflug nach St Louis und endlich kann BROADSWORD wieder los!
Das Mel Price Lock, welches wir von unserem Liegeplatz gut sehen konnten, verlangt auch von uns Geduld. Wir warten, die Beschickung und auch die Ausfahrt mit den Schleppzügen dauert endlos. Dann werden wir geschickt verteilt und endlich nach 3 Stunden, sind wir durch. Der Missisippi läuft hier mit ca 4 kns und mit 12 kns über Grund sind wir schnell bei userem Tagesziel: Hoppies Marina!
Besteht aus 4 Barges, in der Nähe des "authentischen" alten Dorfs, Kimwick!
Eine Art Disney Land und soll sonst tausende Besucher anziehen. Wir haben uns nicht mal getraut ein Bier dort zu trinken, so verlassen sah alles aus.
Da es nicht sehr viele Marinas gibt, wollen wir am nächsten Tag ankern. Hinter einem der "Haken", Buhnen zur Regulierung des Stroms, finden wir einen guten Platz. Mit dem Tender erkunden wir den Strand und beschließen auch den nächsten Tag dort zu verbringen. Wir versuchen die Insel zu umrunden, was uns dann auch gelingt. Alleine auf diesem kurzen Stück finden wir drei angeschwemmte Fahrwassertonnen. Wir sehen Geier, Seeadler und auch Rehe. Die Insel selbst ist undurchdringlich. Auch für den Tender ist es zum Teil zu flach, aber indem wir ihn durch die flachen Stellen ziehen, geht es. Wassertemperatur, 33 grad!
Die Fahrt geht weiter an kleinen Ortschaften vorbei, durch Wald und unberührte Natur. Mit 13,6 kns überholen wir einen Schleppzug. Der Missisippi ist hier teilweise über 20 m tief. Es bilden sich regelrechte Strudel, die nach innen tiefer werden. Alles
nur mit großer Vorsicht zu bewältigen.
Um nicht eine weitere Nacht auf dem Missisippi zu verbringen, beschließen wir kurz vor dem Zufluss des Ohio zu ankern. In dem Ausgang eines Creeks liegen wir sehr geschützt. In der sehr heißen Nacht hören wir Coyoten heulen.
Wir verlassen den Missisippi und fahren nun den Ohio River "hoch". Aus unseren Unterlagen und auch aktuelle Informationen aus dem Internet , wissen wir keinen richtigen Stand, welche Locks nun zu durchfahren sind. Über UKW, mit etwas drängeln, erfahren wir, das wir einem kleinen Schleppzug folgen sollen. Langsam fahren wir einfach durch, kein Höhenunterschied!- Olmsted Lock erledigt!
Als "PC" pleasure craft, sind wir nicht sehr wichtig und werden gerne ignoriert.
Der Ohio ist hier voll mit Barges, z.T. mit Ladung, meistens ohne, oder auch nur vor sich hin rottend. Wuselige Tugs jeder Größe, es ist richtig was los und wir sind sehr vorsichtig bei ca 1 kn Strom gegenan, unterwegs. Vor dem Lock, S 2, müssen wir etwas warten. Die Seitenwände bestehen aus riesigen, verrosteten Pollern. Wir sind wieder einmal dankbar, das BROADSWORD so robust ist.
Ursprünglich wollten wir in Paducah bleiben. Bei immer noch 34 grad cel beschließen wir weiter zu gehen, um möglichst noch abends eine angenehme Dusche in der Marina zu bekommen. Ca 25 sm den Kentucky River stromauf. Reizlos und kein Problem.- Das taucht auf, als wir das Kentucky lock erreichen. Mit einiger Mühe, während wir umherkurven, bei ca 2 kns Strom, erreichen wir den Lockmaster. Ja, in ca 2 Std. Wir machen an einem Schleppzug fest, der auch wartet. Die erfahrene Crew nimmt an, dass es frühesten um 3 uhr morgens losgehen könnte. Wir warten drei Stunden und beschließen dann außerhalb des Fahrwassers zu ankern. Dabei stellen wir fest, dass die Winch nicht mehr richtig arbeitet. Na, für die Nacht, auf 2,5 m Tiefe, wird es schon ausreichen. Wie immer, entlasten wir die Winch mit einem Strop. Am nächsten Morgen, Anker auf, per Hand! Der Schleppzug ist im Lock und liegt dort 5 Stunden, während wir, unter Maschine driften. Wir erhalten keine Auskunft.- Nach 22 Stunden haben wir endlich das Lock hinter uns gelassen und rauschen in den benachbarten Lake Barkley, um in die "Green Turtle Bay" Marina zu kommen.
Es gibt tatsächlich die Schildkröten, zu hauf, und sehr angenehme Duschen! Ein guter Liegeplatz, ein gutes und ein rustikales Restaurant, angenehme Menschen, was will man mehr. Ach ja, vielleicht nicht ganz so heiß? Aber wir sind längst in den Subtropen. Normalerweise, wäre man hier erst im Oktober unterwegs.
Nach vier Tagen verlassen wir die Marina und gehen auf dem Kentucky Lake, nach Süden. Da es ein künstlicher Stausee ist, sind auf der Seekarte noch die alten Straßen und Brücken eingetragen. Teilweise sehr flach und man ist gut beraten, dem Fahrwasser zu folgen. - Einen kurzen Badestopp im wunderschönen blauen Wasser noch eingelegt und nach 65 sms in der "Peble Isle" Marina, Leinen fest.
Die Kneipe ist nett und liefert uns zwei Tage lang gutes Essen. Der Hafenmeister ist sehr dick und hat alles unter Kontrolle. Er tut das, was Jürgen seit einer Woche schon immer machen wollte: als sich die Eissäcke im Eislagerschrank verklemmen, springt er mit dem ganzen Körper hinein!
Am Morgen füllen wir noch die Tanks für das Winterlager auf. 489 gls (1900 ltr) für 2,99$ die Gallone. Da fast alle Schiffe, egal wie groß, nur Benzin tanken, gab er uns den alten Preis. Für "gas" hätten wir 3,35$ bezahlen müssen. Hierzu muss man wissen, dass Diesel, gemäß seines höheren Energiegehalts, auch immer teurer als Benzin ist.
Nach 59 sm legen wir abends in der Clifton Marina an. Nicht sehr reizvoll aber ein Schattenplatz.
Jetzt trennen uns nur noch 50 sm von unserem Winterlager, der Grand Harbor Marina. Natürlich auch noch das "Pickwick" lock. Wieder kreisen wir über 2 Std, bei ca 2 kns Strom. Dann aber öffnen sich auch für uns die Tore zur 18 m hohen Schleuse, der letzten in diesem Jahr.
Der Pickwick Lake empfängt uns mit blauem Wasser und wunderschöner Weite. An den Ufern Amerikanische Villen und Häuser. Wir sind zwar " in the middle of nowhere" aber die Amerikaner wissen auch, wo es schön ist. Besonders die aus Memphis.- Die Marina bietet uns einen überdachten Platz mit Stromanschluss für die nächsten 6 Monate. Nach hin und her Schreiberei, hat Jason von der Dickey Werft in NZ, es für am besten befunden, BROADSWORD am Stromnetz zu lassen. Weil doch die Gefahr von länger anhaltendem Frost besteht, wird nun alles "winterized". Auch wird ein kompletter Ölwechsel gemacht und wenn wir Glück haben, die Ankerwinch repariert.

Nach einem halben Jahr geht es wieder nach Europa. Die Big Loop ist noch nicht zu Ende. Wir freuen uns darauf, im nächsten Jahr weiter zu machen!
Wir haben 3.500 sm im Kielwasser gelassen. Hatten auch viel Zeit zwischendurch. Haben 16 Amerikanische Staaten besucht, bedeutende, wie kleine Städte besucht. Sind keinmal 24 Std unterwegs gewesen. Die navigatorischen Herausforderungen waren gut zu bewältigen, aber immer wieder neu und anders.
BROADSWORD ist wie ein Uhrwerk gelaufen und man hatte immer den Eindruck, er kann noch viel mehr. Er hat uns in Kontakt zu unzähligen Menschen gebracht, die wir, wären wir eins von den "weißen Booten" gewesen, nie erreicht hätten.
Wir haben mindestens vier mal Frühling erlebt und "everlasting summer".
Wir haben in den USA eine Infrastruktur genossen, die nirgendwo sonst so gegeben ist.
Kurzum: eine phantastische Reise!

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Rene kommt an Bord.- Spät am Sonnabend, kurz vor Mitternacht, taucht Rene auf.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Rene kommt an Bord.- Spät am Sonnabend, kurz vor Mitternacht, taucht Rene auf. Frisch und cool wie immer - die 16 Std Reise merkt man ihm nicht an. Wir dagegen hatten ein 6 Std Rock Konzert hinter uns. Zwar 500 m entfernt aber mit einer Lautstärke, vor allem den Bässen, die uns kein Entkommen ließen. Nach einer kurzen Nacht zog Rene dann am Sonntag allein durch Chicago und kam sehr zufrieden wieder.
Am Montag dann stürzten wir uns dann in das Abenteuer Flüsse und Kanäle. Direkt vor Chicago geht es mit der ersten Schleuse los. Dann folgen unzählige Brücken, Durchfahrtshöhe besser weniger als 19 ft. Sie lassen sich fast alle als Klapp-, Hub- oder Drehbrücke öffnen. Bis auf eine Festbrücke. Sie entscheidet, ob man seinen Weg nach Süden fortsetzen kann oder wieder umkehren muss. In Anbetracht des Verkehrs in Chicago wäre es sowieso illusorisch auf eine, geschweige denn 20 Brückenöffnungen zu warten.- Es ist schon toll, sozusagen unter dem rauschenden Verkehr gemächlich durch Chicago zu fahren!
Dass es sehr heiß war erwähnte ich schon? Den Tag über wurde es dann durchaus noch viel wärmer. An stillgelegten, rostigen und verrotenden Industrieanlagen geht es vorbei - genauso an neuen oder im Bau befindlichen Industrien. Viel Öl und vor allem Chemie. Es riecht nicht immer gut und bei manchen Anlagen will man auch gar nicht genau wissen, was da gemacht wird. Alle bekannten Ölfirmen sind dabei aber auch BASF. Die ersten Barges tauchen auf. Riesige Eisenschuten, die eine Seite schräg, die andere senkrecht. An der werden sie zu Verbänden zusammen gestellt und mit "Tugs" , geschoben. Hier, in dem Sanitary canal, sind es nicht mehr als drei, trotzdem wird es manchmal ganz schön eng. Auf dem Illinois river gewöhnen wir uns an Schubverbände mit zumeist 15 barges. Auf dem Missisippi treffen wir dann häufig Verbände mit 30. Fünf barges längs mal sechs in der Breite. Die tugs sind dann aber auch sehr große Kraftpakete von 50 m Länge, Schraubendurchmesser über 2 m!
Dass sie nicht ausweichen können und große Radien brauchen, ist logisch.
AIS ist von Vorteil. Wenn man einen Verband überholen will muss man immer mehr als 2 kns schneller sein, denn die Wellenformation des Verbandes raubt einem die überschüssige Fahr beträchtlich. Wenn es dann auch noch flacher wird, auch dadurch verliert man Fahrt, sollte man es lieber sein lassen.
59 nmls und einige Schleusen später kommen wir nach Joliet. Die vorgesehene Marina entpuppt sich sehr klein, mit hauptsächlich Angelbooten und Stegen, die den Begriff nicht verdienen. Wir schauen uns weiter um und finden die Harborside Marina. Sie hat zwar auch keine Stege, die für uns geeignet wären, aber eine Tankstelle, die am Montag nicht geöffnet ist. Wir einigen uns mit dem Eigner und dürfen endlich auch in den viel zu heißen Swimmingpool springen. Der Pizzaservice bringt uns das komplette "Familienmenü" und der Hafenmeister schenkt uns einen recht guten Cabernet Sauvignon. Wahrscheinlich auf Anraten seines Artztes verschenkt er seine Weinvorräte oder er mag uns einfach.
Angel- und Hausboote sind das, auf was wir uns zukünftig einrichten müssen. Außerdem stellen wir fest, dass wir die einzige private Yacht sind, die hier unterwegs ist. Wir sind zwei Monate vor den nach Süden gehenden Loopern dran. Mit entsprechenden Temperaturen. 38 gr cel sind schon ziemlich heftig und erstmalig beneiden wir etwas die Amerikaner um ihre klimatisierten Boote. Den Fischen ist auch viel zu warm und sie springen aus dem Wasser raus, gegen BROADSWORD und fallen wieder zurück. Große, silberne Fische 50 bis 60cm lang. Später erfahren wir, dass es sich um "Asiatische Karpfen " handelt, die aber nicht geangelt werden.
Sie sind unerwünscht, verbreiten sich aber rasant.
Abends suchen wir uns einen Ankerplatz, außerhalb des Fahrwassers. Gar nicht so leicht, denn all die wunderschönen Seenflächen sind nicht vermessen und viel zu flach. Auch findet der Anker nicht so recht halt in dem m tiefen Schlick. Die Mücken quälen uns auch in der Nacht aber dafür erleben wir hier inmitten der Natur, weitab jeglicher Zivilation einen wunderschönen Sternenhimmel. Wenn wir bisher die Aussage: Millionen von Sternen als übertrieben empfanden, bleibt jetzt kein Zweifel mehr daran.
Die Marina in Peoria ist auch nur zu erreichen indem wir langsam durch den Schlamm fahren. Alles viel zu flach! Zwei nette Menschen bringen uns zu "Lowis" Baumarkt um eine einfache Klimaanlage zu kaufen. Mit Landanschluß können wir sie zwar betreiben aber BROADSWORD heizt sich so sehr auf, dass wir es gleich vergessen können. Besser sind die Papier Jalousien. Da wir kein Auto haben fahren wir mit dem Tender zum Baumarkt. Durch die Steine und dann noch die steile Böschung hoch - auf dem Rückweg mit den Einkäufen wird "Uber" angerufen und Elke und Rene sind hellauf begeistert! Ein Angebot, welches 100 Prozent zu Amerika passt aber auch bei uns fraglos Erfolg hätte.
Einen Tag später schleichen wir durch den Schlamm wieder zurück ins Fahrwasser.
Nach 52 nmls wollen wir in die "Timber Marina" gehen. Viel zu klein, nur geeignet für Angel- und Hausboote. Also weiter, Ankerplatz suchen. In der Aussenkurve haben wir einen schönen Platz gefunden.
"La Grange" Lock wird schon zur Routine und das Suchen nach einem Ankerplatz ist sehr gezielt. Noch eine Nacht im Illinois River und am nächsten Tag schwenken wir in den Missisippi River ein. Mächtig, respektheischend und sehr viel Verkehr. Auch die Szenerie ändert sich. Der Fluss fließt auf der linken Seite durch Felsgestein, die "Bluffs" genannt, erinnert einen unmittelbar an die Elbufer bei Dresden, und auf der rechten Seite, verliert er sich in einem relativ sanftem Ufer und großer Weite. Wir spüren die starke Strömung mit ca 3 kns und haben 11 kns auf der Sog Anzeige.
Nach kurzer Zeit erreichen wir "Alton Marina", unseren Hafen für die nächsten Tage bis Jürgen kommt.
Wir haben reichlich Zeit, weil wir doch schneller waren, als angenommen.- Wieder einmal besorgen wir uns einen Mietwagen bei Enterprise, weil sie die einzigen sind, die uns abholen und auch wieder zur Marina bringen werden. Der Wagen bringt uns die gleiche Problematik, die wir schon mehrfach hatten: die neueren Autos haben alle Kontrollleuchten für den Luftdruck und bei fast jedem leuchtet diese. Als Kunde ist man schlecht dran. Wenn man sie ignoriert könnte es sein, dass man den Versicherungsschutz verliert. Wenn man jedoch meint, man fährt auf die Tankstelle und überprüft das mal kurz, wird man enttäuscht. Nur jede 10. Tankstelle hat ein ein Luftdruckgerät, welches man für 1 $ nutzen darf - dummerweise aber ohne Anzeige!
Wie auch immer, in unserem Wagen steckte tatsächlich ein Nagel drin und kurzerhand gab man uns einen neuen, 2 Kategorien besser.
Der Ausflug nach St Louis war ganz hübsch, vor allem die alten, nicht abgebauten Industrieanlagen und Eisenbahnbrücken. Der Missisippi, bereits vereint mit Missouri, fließt majestätisch vorbei und hat die Stadt seit jeher geprägt. Die hohen Schutzwälle, vor allem in den Kurven, zeugen von seiner möglichen Wildheit.
Zum Glück werden wir nicht mit der hohen Kriminalität in der Stadt konfrontiert.
Tom Sawyer, Huckleberry Finn und Becky waren hier unstreitig unterwegs und haben ihre Abenteuer erlebt.
Wir beschließen die Zeit zu nutzen und noch einmal Chicago zu besuchen. Natürlich auch, um Rene zum Flughafen zu bringen. Mit einem Hotel in Downtown, angenehmeren Temperaturen, ist Chicago wirklich phantastisch. Viel grüner als Manhattan, viel mehr bewohnt, nicht nur hier Büros, dort Wohnungen und nicht ganz so vielen Touristen. Viele angenehme Restaurants und erstaunlich sauber!
Das Modern Art Museum ist ein Highlight, lässt uns jedoch etwas ratlos zurück: die Zukunft der modernen Kunst ist demnach die "Blockchain". -
Viel realer und mit strategischer Planung um nicht zu lange in der Besucherschlange zu stehen, ist der Besuch des " Sears Towers". Gehört natürlich längst anderen, aber ist schon eindrucksvoll.

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Am nächsten Tag brachen wir früh auf.

Veröffentlicht am 17.07.2018

Im frühen Dunst unter der eindrucksvollen Macinaw Brücke hindurch - ein toller Anblick! Nach 9 Std erreichten wir South Manitou Island. Nur ein schmaler Streifen ist zum Ankern geeignet, davor geht es gleich auf 60 m. Hatten wir anfangs gute Bedingungen mit SW 3, drehte der Wind in der Nacht auf SW 4 und brachte uns einen ungemütlichen Liegeplatz. Noch einmal um das Schiff geschwommen und dann weiter nach Ludington. Die Welle 1 m wurden wir z.T. mit 11 Kns geschoben. Durch das heftige Rollen recht ungemütlich. Unterwegs fielen die Logge und der Windmesser aus, irgendwelche magnetischen Impulse. Das passierte uns 2 Tage später erneut.
Ludington entpuppt sich als freundliche, gepflegte kleine Stadt, alles in Reichweite zu Fuß. Anfang des 20. Jhd begann eine Fährlinie Eisenbahnwaggons auf die Westseite des Lake Michigan zu verschiffen. Auch heute noch wird die Verbindung mit MS Badger, einem urigen großen Dampfer von 1959, aufrecht erhalten.
Das Restaurant "Steamer", direkt neben unserem Liegeplatz, brachte uns stillen kulinarischen Genuss.
Wir lernten Scott kennen, einen ehemaligen Kapitän einer Rettungsorganisation, der geradezu vernarrt in Broady war und uns ein Buch und ein Amulet schenkte.
Der Tripp nach "Holland" war unaufgeregt trotz 0,5 m Welle. Unser Liegeplatz in der Eldean Werft/ Marina war nicht so toll, da die 2 Tage unseres Aufenthalts der Steg repariert wurde. Dafür waren die Waschräume fantastisch und Schwimmbad und Aufenthaltsräume schön. Wir lernten Cal und Terrie mit ihrer Tochter kennen, die Dauerlieger waren, und uns in ihrem Dodge Oldtimer herum kutschierten und Holland zeigten. Großzügig, hübsch, natürlich wunderschönen Häusern am Macatawa Lake und unglaublich vielen Parks mit Lilien in allen Farben. Gegessen wurde im "Alpen Rose". Gutes Europäisches Essen zu hohen Preisen. Ohnehin, wir merken ,dass wir uns einer Grossstadt nähern, denn die Preise gehen rasant in die Höhe.
Für die 90 Sms nach Chicago standen wir früh auf, denn wir wußten nicht, wie sich das Wetter entwickeln würde. Der Lake Michigan ist für seine unterschiedlichen Wetterverhältnisse bekannt. Wir hatten Glück und kamen zügig voran. Tiefblau und auch grün der See und sehr wenig Verkehr. Begeisternd, wie nach und nach die Skyline von Chicago auftaucht. AIS ist kein Thema für die Yachties, eher alles, was Power und Bequemlichkeit bringt.
Das Buchen der Marina stellte ein ziemliches Problem dar, da alle nur noch über das Internet, über "docwa,com", zu erreichen waren. Das Problem ist, dass man nicht eine sofortige Aussage bekommt, sondern 24 Std möglicherweise gewartet werden muss. Mit einiger Mühe bekamen wir eine Zusage in der 1.100 Liegeplätze Marina, Burnham Habor. Wir irrten durch die volle Marina ohne, dass auf unsere VHF Anrufe geantwortet wurde. Wir machten dann fest und riefen per Telefon an. Siehe da, auf einmal schickte man uns 2 junge Leute zum, reichlich späten, Festmachen. Da wir direkt vor dem Hafenmeisterbüro lagen, hatte man uns gesehen aber keine Lust gehabt raus zu kommen. Ein bisschen verständlich schon, denn in Cicago ist es schon um 0700 am 30 grad Cel warm und tags, 34 bis 36 grad.
In der Nacht kühlt es sich kaum ab, dafür sind die Züge wieder da, neben den rund die Uhr lauten Highways. Um 0700 am beginnt unser Nachbar sein commerzielles Schiff zu putzen - mit lauter Musik. Auf die vorsichtige Frage, ob er es vielleicht leiser machen könne, anwortet er: nein, sucht euch doch was anderes, er ist hier zu Hause!
Willkommen in der Großstadt!

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America ist immer noch laut!

Veröffentlicht am 17.07.2018

Nachdem wir die Eisenbahnen hinter uns gelassen haben, hätte ja durchaus etwas mehr Ruhe uns wohl getan - sollte aber nicht sein!
Zumindest nicht in Macinaw City, wo wir in der Stadtmarina liegen. Ursprünglich wollten wir dort die drei Wochen auf Rene warten, um unsere Reise fortzusetzen
aber letztlich haben wir uns anders entschieden.
Direkt neben unserem guten Stegplatz ist ist die Sheplers Fährgesellschaft gelegen.
Alle halbe Stunde geht eine knallvolle Fähre nach Macinaw Island, manchmal auch alle 15 Minuten. Und jedes Mal, wenn eine Fähre geht, tutet sie markerschütternd laut. Außerdem promenieren den ganzen Tag Leute auf dem öffentlich zugänglichen Steg und fragen uns Löcher in den Bauch. Wir sind ja einiges gewohnt, denn in jedem Hafen ist unser silbernes oder etwas angegangenes, je nach Betrachtungsweise, Spaceship, die Attraktion. Durchaus auch zu unserer Freude, denn wir kommen in Kontakt zu vielen Menschen, die uns zwar Vieles fragen aber auch von sich erzählen,
vom Revier berichten und uns viele interessante, wichtige Hinweise geben. Grundsätzlich ist der Tenor sehr freundlich. Mit einem "normalen" AWB (averidge white boat) wäre das sicher nicht der Fall, denn mit 58 feet sind das zumeist schon kleine Paläste. Dagegen ist bei unserem "aluminum boat" die Hemmschwelle sehr niedrig. Aber ein bisschen nervt es schon, wenn am Tag ein paar hundert Leute vorbei gehen und uns davon 20/ 30 immer dieselben Fragen stellen. Zum Glück ist der etwas tiefer gelegene Salon vor Einblicken geschützt und wir sind ja auch nicht immer da. Wir hatten von vornherein vor, den Lake Superior mit dem Auto zu besuchen.
In der ersten Woche nachdem wir Jeannette und Micha verabschiedet hatten war der Wetterbericht ernüchternd: Temperaturen tags um die 16, nachts, 8 gr Cel.
In der zweiten Woche waren nicht nur auf einmal tausende von Touristen in Macinaw sondern auch der Sommer da, mit Temp von 24 bis 28 gr Cel. Also auf nach Canada!Zur Einreise mußten wir den Vidal Shoal Canal überqueren, mit seiner hohen, alten Straßenbrücke und seiner, viel eindrucksvolleren, massiven Eisenbahn Hubbrücke.
Sie ist seit Jahrzehnten still gelegt und zeugt von einer glanzvollen, industriellen Vergangenheit. - Auch die Stadt, Sault St Marie, zeigt uns Straßen, in denen nur noch wenige Häuser bewohnt sind, alles dem Verfall preis gegeben. Kleinere Einkaufsmärkte sind auch verweist und sind den neuen gewichen. Uberschäumendes Leben sucht man hier vergebens. Die Stadt teilt das Schicksal von den meisten ehemals bedeutenden industriellen Standorten im Norden. Konversion gibt es kaum. Häuser und Gebäude bleiben einfach stehen und zerfallen. Der Canadische Zöllner befragte uns sehr aggressiv nach unserem woher und wohin. - Kein Wunder, wenn Tag vorher Herr Trump in seiner unnachahmlichen Art erklärt hatte, dass Canada die Amerikanische Landwirtschaft durch seine Importe, empfindlich geschädigt hätte. St Marie ist andererseits genauso, wie jede andere, Amerikanische Stadt. Mit denselben Problemen, denselben Geschäften und denselben Trucks und SUVs.
Ein Unterschied ist allerdings offensichtlich: in den USA ist alles weiträumig und großzügig aber hier ist alles noch einmal viel weitläufiger. Städte liegen hier 50 oder 100 Meilen auseinander. Dazwischen, endloser Wald! Der präsentiert sich uns wieder in frischem Frühlingsgrün. Gefühlt sicher das zehnte Mal, dass wir in den Frühling fahren. Der See ist endlos und wunderschön. An den Ufern gelegentlich Menschen, die die Sonne genießen und, vereinzelt baden gehen. Die Temperaturen sind fast ideal mit 24 gr Cel. Unterwegs kaufen wir ein paar Mokassins, original indianisch, in einem Laden, der bestimmt schon seit 5 Jahren den letzten Ausverkauf macht und bestens floriert. Aber die Mokassins sind weich und nicht zu teuer und die Menschen freundlich. Ohnehin geht Canada mit seiner indigenen Bevölkerung viel bewuster um, als sein großer Nachbar.
Wir übernachten in einem Motel in Wawa und beschließen am nächsten Tag zurück zu fahren.- Beim Zoll, Einfahrt in die USA, werden wir von einem unfreundlichen Flintenweib nach allem gefragt, was überhaupt nur in Zusammenhang mit unserer Reise stehen konnte. Sie machte uns auch darauf aufmerksam, dass wir nur bis zum 31. Aug in den Staaten bleiben dürfen - ein Tag länger wäre eine Straftat. Von nun an stehen wir unter Zeitdruck.
Ein Besuch in Macinaw Island ist wie ein Besuch von Disney Land: die Gebäude sind unverändert geblieben in den letzten 100 Jahren, der Verkehr wird ausschließlich per Pferd abgewickelt. Besonders eindrucksvoll das Grand Hotel von 1887 mit seinen 200 m Länge und den rund 400 Zimmern. Die Räume sollen weitgehend unterschiedlich gestaltet sein und die meisten US Größen haben darin logiert.
Alles verbunden mit einem gesunden commerziellen Denken. So fühlen sich Gäste und Betreiber richtig wohl.- Manch einen Europäer würde es schauern.
Am 4. Juli wurde der Independance Day ( viele denken jetzt sofort an gleichnamigen Film) friedlich, freundlich, fröhlich, mit sehr vielen Menschen gefeiert. Der Höhepunkt war das Feuerwerk gegen 1100 pm. Ansich sehr schön, meinte unsere Nachbarin sich entschuldigen zu müssen: sonst sei es viel schöner!- Die Menschen hier lieben ihren See und Michigan und geben sich große Mühe, dass es auch anderen gefällt.

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hier geht es bald weiter...

Veröffentlicht am 02.07.2018
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