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America ist immer noch laut!

Veröffentlicht am 17.07.2018

Nachdem wir die Eisenbahnen hinter uns gelassen haben, hätte ja durchaus etwas mehr Ruhe uns wohl getan - sollte aber nicht sein!
Zumindest nicht in Macinaw City, wo wir in der Stadtmarina liegen. Ursprünglich wollten wir dort die drei Wochen auf Rene warten, um unsere Reise fortzusetzen
aber letztlich haben wir uns anders entschieden.
Direkt neben unserem guten Stegplatz ist ist die Sheplers Fährgesellschaft gelegen.
Alle halbe Stunde geht eine knallvolle Fähre nach Macinaw Island, manchmal auch alle 15 Minuten. Und jedes Mal, wenn eine Fähre geht, tutet sie markerschütternd laut. Außerdem promenieren den ganzen Tag Leute auf dem öffentlich zugänglichen Steg und fragen uns Löcher in den Bauch. Wir sind ja einiges gewohnt, denn in jedem Hafen ist unser silbernes oder etwas angegangenes, je nach Betrachtungsweise, Spaceship, die Attraktion. Durchaus auch zu unserer Freude, denn wir kommen in Kontakt zu vielen Menschen, die uns zwar Vieles fragen aber auch von sich erzählen,
vom Revier berichten und uns viele interessante, wichtige Hinweise geben. Grundsätzlich ist der Tenor sehr freundlich. Mit einem "normalen" AWB (averidge white boat) wäre das sicher nicht der Fall, denn mit 58 feet sind das zumeist schon kleine Paläste. Dagegen ist bei unserem "aluminum boat" die Hemmschwelle sehr niedrig. Aber ein bisschen nervt es schon, wenn am Tag ein paar hundert Leute vorbei gehen und uns davon 20/ 30 immer dieselben Fragen stellen. Zum Glück ist der etwas tiefer gelegene Salon vor Einblicken geschützt und wir sind ja auch nicht immer da. Wir hatten von vornherein vor, den Lake Superior mit dem Auto zu besuchen.
In der ersten Woche nachdem wir Jeannette und Micha verabschiedet hatten war der Wetterbericht ernüchternd: Temperaturen tags um die 16, nachts, 8 gr Cel.
In der zweiten Woche waren nicht nur auf einmal tausende von Touristen in Macinaw sondern auch der Sommer da, mit Temp von 24 bis 28 gr Cel. Also auf nach Canada!Zur Einreise mußten wir den Vidal Shoal Canal überqueren, mit seiner hohen, alten Straßenbrücke und seiner, viel eindrucksvolleren, massiven Eisenbahn Hubbrücke.
Sie ist seit Jahrzehnten still gelegt und zeugt von einer glanzvollen, industriellen Vergangenheit. - Auch die Stadt, Sault St Marie, zeigt uns Straßen, in denen nur noch wenige Häuser bewohnt sind, alles dem Verfall preis gegeben. Kleinere Einkaufsmärkte sind auch verweist und sind den neuen gewichen. Uberschäumendes Leben sucht man hier vergebens. Die Stadt teilt das Schicksal von den meisten ehemals bedeutenden industriellen Standorten im Norden. Konversion gibt es kaum. Häuser und Gebäude bleiben einfach stehen und zerfallen. Der Canadische Zöllner befragte uns sehr aggressiv nach unserem woher und wohin. - Kein Wunder, wenn Tag vorher Herr Trump in seiner unnachahmlichen Art erklärt hatte, dass Canada die Amerikanische Landwirtschaft durch seine Importe, empfindlich geschädigt hätte. St Marie ist andererseits genauso, wie jede andere, Amerikanische Stadt. Mit denselben Problemen, denselben Geschäften und denselben Trucks und SUVs.
Ein Unterschied ist allerdings offensichtlich: in den USA ist alles weiträumig und großzügig aber hier ist alles noch einmal viel weitläufiger. Städte liegen hier 50 oder 100 Meilen auseinander. Dazwischen, endloser Wald! Der präsentiert sich uns wieder in frischem Frühlingsgrün. Gefühlt sicher das zehnte Mal, dass wir in den Frühling fahren. Der See ist endlos und wunderschön. An den Ufern gelegentlich Menschen, die die Sonne genießen und, vereinzelt baden gehen. Die Temperaturen sind fast ideal mit 24 gr Cel. Unterwegs kaufen wir ein paar Mokassins, original indianisch, in einem Laden, der bestimmt schon seit 5 Jahren den letzten Ausverkauf macht und bestens floriert. Aber die Mokassins sind weich und nicht zu teuer und die Menschen freundlich. Ohnehin geht Canada mit seiner indigenen Bevölkerung viel bewuster um, als sein großer Nachbar.
Wir übernachten in einem Motel in Wawa und beschließen am nächsten Tag zurück zu fahren.- Beim Zoll, Einfahrt in die USA, werden wir von einem unfreundlichen Flintenweib nach allem gefragt, was überhaupt nur in Zusammenhang mit unserer Reise stehen konnte. Sie machte uns auch darauf aufmerksam, dass wir nur bis zum 31. Aug in den Staaten bleiben dürfen - ein Tag länger wäre eine Straftat. Von nun an stehen wir unter Zeitdruck.
Ein Besuch in Macinaw Island ist wie ein Besuch von Disney Land: die Gebäude sind unverändert geblieben in den letzten 100 Jahren, der Verkehr wird ausschließlich per Pferd abgewickelt. Besonders eindrucksvoll das Grand Hotel von 1887 mit seinen 200 m Länge und den rund 400 Zimmern. Die Räume sollen weitgehend unterschiedlich gestaltet sein und die meisten US Größen haben darin logiert.
Alles verbunden mit einem gesunden commerziellen Denken. So fühlen sich Gäste und Betreiber richtig wohl.- Manch einen Europäer würde es schauern.
Am 4. Juli wurde der Independance Day ( viele denken jetzt sofort an gleichnamigen Film) friedlich, freundlich, fröhlich, mit sehr vielen Menschen gefeiert. Der Höhepunkt war das Feuerwerk gegen 1100 pm. Ansich sehr schön, meinte unsere Nachbarin sich entschuldigen zu müssen: sonst sei es viel schöner!- Die Menschen hier lieben ihren See und Michigan und geben sich große Mühe, dass es auch anderen gefällt.