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Rene kommt an Bord.- Spät am Sonnabend, kurz vor Mitternacht, taucht Rene auf.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Rene kommt an Bord.- Spät am Sonnabend, kurz vor Mitternacht, taucht Rene auf. Frisch und cool wie immer - die 16 Std Reise merkt man ihm nicht an. Wir dagegen hatten ein 6 Std Rock Konzert hinter uns. Zwar 500 m entfernt aber mit einer Lautstärke, vor allem den Bässen, die uns kein Entkommen ließen. Nach einer kurzen Nacht zog Rene dann am Sonntag allein durch Chicago und kam sehr zufrieden wieder.
Am Montag dann stürzten wir uns dann in das Abenteuer Flüsse und Kanäle. Direkt vor Chicago geht es mit der ersten Schleuse los. Dann folgen unzählige Brücken, Durchfahrtshöhe besser weniger als 19 ft. Sie lassen sich fast alle als Klapp-, Hub- oder Drehbrücke öffnen. Bis auf eine Festbrücke. Sie entscheidet, ob man seinen Weg nach Süden fortsetzen kann oder wieder umkehren muss. In Anbetracht des Verkehrs in Chicago wäre es sowieso illusorisch auf eine, geschweige denn 20 Brückenöffnungen zu warten.- Es ist schon toll, sozusagen unter dem rauschenden Verkehr gemächlich durch Chicago zu fahren!
Dass es sehr heiß war erwähnte ich schon? Den Tag über wurde es dann durchaus noch viel wärmer. An stillgelegten, rostigen und verrotenden Industrieanlagen geht es vorbei - genauso an neuen oder im Bau befindlichen Industrien. Viel Öl und vor allem Chemie. Es riecht nicht immer gut und bei manchen Anlagen will man auch gar nicht genau wissen, was da gemacht wird. Alle bekannten Ölfirmen sind dabei aber auch BASF. Die ersten Barges tauchen auf. Riesige Eisenschuten, die eine Seite schräg, die andere senkrecht. An der werden sie zu Verbänden zusammen gestellt und mit "Tugs" , geschoben. Hier, in dem Sanitary canal, sind es nicht mehr als drei, trotzdem wird es manchmal ganz schön eng. Auf dem Illinois river gewöhnen wir uns an Schubverbände mit zumeist 15 barges. Auf dem Missisippi treffen wir dann häufig Verbände mit 30. Fünf barges längs mal sechs in der Breite. Die tugs sind dann aber auch sehr große Kraftpakete von 50 m Länge, Schraubendurchmesser über 2 m!
Dass sie nicht ausweichen können und große Radien brauchen, ist logisch.
AIS ist von Vorteil. Wenn man einen Verband überholen will muss man immer mehr als 2 kns schneller sein, denn die Wellenformation des Verbandes raubt einem die überschüssige Fahr beträchtlich. Wenn es dann auch noch flacher wird, auch dadurch verliert man Fahrt, sollte man es lieber sein lassen.
59 nmls und einige Schleusen später kommen wir nach Joliet. Die vorgesehene Marina entpuppt sich sehr klein, mit hauptsächlich Angelbooten und Stegen, die den Begriff nicht verdienen. Wir schauen uns weiter um und finden die Harborside Marina. Sie hat zwar auch keine Stege, die für uns geeignet wären, aber eine Tankstelle, die am Montag nicht geöffnet ist. Wir einigen uns mit dem Eigner und dürfen endlich auch in den viel zu heißen Swimmingpool springen. Der Pizzaservice bringt uns das komplette "Familienmenü" und der Hafenmeister schenkt uns einen recht guten Cabernet Sauvignon. Wahrscheinlich auf Anraten seines Artztes verschenkt er seine Weinvorräte oder er mag uns einfach.
Angel- und Hausboote sind das, auf was wir uns zukünftig einrichten müssen. Außerdem stellen wir fest, dass wir die einzige private Yacht sind, die hier unterwegs ist. Wir sind zwei Monate vor den nach Süden gehenden Loopern dran. Mit entsprechenden Temperaturen. 38 gr cel sind schon ziemlich heftig und erstmalig beneiden wir etwas die Amerikaner um ihre klimatisierten Boote. Den Fischen ist auch viel zu warm und sie springen aus dem Wasser raus, gegen BROADSWORD und fallen wieder zurück. Große, silberne Fische 50 bis 60cm lang. Später erfahren wir, dass es sich um "Asiatische Karpfen " handelt, die aber nicht geangelt werden.
Sie sind unerwünscht, verbreiten sich aber rasant.
Abends suchen wir uns einen Ankerplatz, außerhalb des Fahrwassers. Gar nicht so leicht, denn all die wunderschönen Seenflächen sind nicht vermessen und viel zu flach. Auch findet der Anker nicht so recht halt in dem m tiefen Schlick. Die Mücken quälen uns auch in der Nacht aber dafür erleben wir hier inmitten der Natur, weitab jeglicher Zivilation einen wunderschönen Sternenhimmel. Wenn wir bisher die Aussage: Millionen von Sternen als übertrieben empfanden, bleibt jetzt kein Zweifel mehr daran.
Die Marina in Peoria ist auch nur zu erreichen indem wir langsam durch den Schlamm fahren. Alles viel zu flach! Zwei nette Menschen bringen uns zu "Lowis" Baumarkt um eine einfache Klimaanlage zu kaufen. Mit Landanschluß können wir sie zwar betreiben aber BROADSWORD heizt sich so sehr auf, dass wir es gleich vergessen können. Besser sind die Papier Jalousien. Da wir kein Auto haben fahren wir mit dem Tender zum Baumarkt. Durch die Steine und dann noch die steile Böschung hoch - auf dem Rückweg mit den Einkäufen wird "Uber" angerufen und Elke und Rene sind hellauf begeistert! Ein Angebot, welches 100 Prozent zu Amerika passt aber auch bei uns fraglos Erfolg hätte.
Einen Tag später schleichen wir durch den Schlamm wieder zurück ins Fahrwasser.
Nach 52 nmls wollen wir in die "Timber Marina" gehen. Viel zu klein, nur geeignet für Angel- und Hausboote. Also weiter, Ankerplatz suchen. In der Aussenkurve haben wir einen schönen Platz gefunden.
"La Grange" Lock wird schon zur Routine und das Suchen nach einem Ankerplatz ist sehr gezielt. Noch eine Nacht im Illinois River und am nächsten Tag schwenken wir in den Missisippi River ein. Mächtig, respektheischend und sehr viel Verkehr. Auch die Szenerie ändert sich. Der Fluss fließt auf der linken Seite durch Felsgestein, die "Bluffs" genannt, erinnert einen unmittelbar an die Elbufer bei Dresden, und auf der rechten Seite, verliert er sich in einem relativ sanftem Ufer und großer Weite. Wir spüren die starke Strömung mit ca 3 kns und haben 11 kns auf der Sog Anzeige.
Nach kurzer Zeit erreichen wir "Alton Marina", unseren Hafen für die nächsten Tage bis Jürgen kommt.
Wir haben reichlich Zeit, weil wir doch schneller waren, als angenommen.- Wieder einmal besorgen wir uns einen Mietwagen bei Enterprise, weil sie die einzigen sind, die uns abholen und auch wieder zur Marina bringen werden. Der Wagen bringt uns die gleiche Problematik, die wir schon mehrfach hatten: die neueren Autos haben alle Kontrollleuchten für den Luftdruck und bei fast jedem leuchtet diese. Als Kunde ist man schlecht dran. Wenn man sie ignoriert könnte es sein, dass man den Versicherungsschutz verliert. Wenn man jedoch meint, man fährt auf die Tankstelle und überprüft das mal kurz, wird man enttäuscht. Nur jede 10. Tankstelle hat ein ein Luftdruckgerät, welches man für 1 $ nutzen darf - dummerweise aber ohne Anzeige!
Wie auch immer, in unserem Wagen steckte tatsächlich ein Nagel drin und kurzerhand gab man uns einen neuen, 2 Kategorien besser.
Der Ausflug nach St Louis war ganz hübsch, vor allem die alten, nicht abgebauten Industrieanlagen und Eisenbahnbrücken. Der Missisippi, bereits vereint mit Missouri, fließt majestätisch vorbei und hat die Stadt seit jeher geprägt. Die hohen Schutzwälle, vor allem in den Kurven, zeugen von seiner möglichen Wildheit.
Zum Glück werden wir nicht mit der hohen Kriminalität in der Stadt konfrontiert.
Tom Sawyer, Huckleberry Finn und Becky waren hier unstreitig unterwegs und haben ihre Abenteuer erlebt.
Wir beschließen die Zeit zu nutzen und noch einmal Chicago zu besuchen. Natürlich auch, um Rene zum Flughafen zu bringen. Mit einem Hotel in Downtown, angenehmeren Temperaturen, ist Chicago wirklich phantastisch. Viel grüner als Manhattan, viel mehr bewohnt, nicht nur hier Büros, dort Wohnungen und nicht ganz so vielen Touristen. Viele angenehme Restaurants und erstaunlich sauber!
Das Modern Art Museum ist ein Highlight, lässt uns jedoch etwas ratlos zurück: die Zukunft der modernen Kunst ist demnach die "Blockchain". -
Viel realer und mit strategischer Planung um nicht zu lange in der Besucherschlange zu stehen, ist der Besuch des " Sears Towers". Gehört natürlich längst anderen, aber ist schon eindrucksvoll.