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Stromab - Stromauf, über Mississippi, Ohio und Tennessee

Veröffentlicht am 26.08.2018

Wir verabschieden Rene nach Berlin und fahren zurück nach Alton. Zwei Tage später kommt Jürgen etwas erschöpft nach 30 Std im Morgengrauen in St louis an. Ausgiebiger Schlaf und ein gutes, großes Steak bei "Tonys" bringen ihn wieder auf die Beine. Noch ein Ausflug nach St Louis und endlich kann BROADSWORD wieder los!
Das Mel Price Lock, welches wir von unserem Liegeplatz gut sehen konnten, verlangt auch von uns Geduld. Wir warten, die Beschickung und auch die Ausfahrt mit den Schleppzügen dauert endlos. Dann werden wir geschickt verteilt und endlich nach 3 Stunden, sind wir durch. Der Missisippi läuft hier mit ca 4 kns und mit 12 kns über Grund sind wir schnell bei userem Tagesziel: Hoppies Marina!
Besteht aus 4 Barges, in der Nähe des "authentischen" alten Dorfs, Kimwick!
Eine Art Disney Land und soll sonst tausende Besucher anziehen. Wir haben uns nicht mal getraut ein Bier dort zu trinken, so verlassen sah alles aus.
Da es nicht sehr viele Marinas gibt, wollen wir am nächsten Tag ankern. Hinter einem der "Haken", Buhnen zur Regulierung des Stroms, finden wir einen guten Platz. Mit dem Tender erkunden wir den Strand und beschließen auch den nächsten Tag dort zu verbringen. Wir versuchen die Insel zu umrunden, was uns dann auch gelingt. Alleine auf diesem kurzen Stück finden wir drei angeschwemmte Fahrwassertonnen. Wir sehen Geier, Seeadler und auch Rehe. Die Insel selbst ist undurchdringlich. Auch für den Tender ist es zum Teil zu flach, aber indem wir ihn durch die flachen Stellen ziehen, geht es. Wassertemperatur, 33 grad!
Die Fahrt geht weiter an kleinen Ortschaften vorbei, durch Wald und unberührte Natur. Mit 13,6 kns überholen wir einen Schleppzug. Der Missisippi ist hier teilweise über 20 m tief. Es bilden sich regelrechte Strudel, die nach innen tiefer werden. Alles
nur mit großer Vorsicht zu bewältigen.
Um nicht eine weitere Nacht auf dem Missisippi zu verbringen, beschließen wir kurz vor dem Zufluss des Ohio zu ankern. In dem Ausgang eines Creeks liegen wir sehr geschützt. In der sehr heißen Nacht hören wir Coyoten heulen.
Wir verlassen den Missisippi und fahren nun den Ohio River "hoch". Aus unseren Unterlagen und auch aktuelle Informationen aus dem Internet , wissen wir keinen richtigen Stand, welche Locks nun zu durchfahren sind. Über UKW, mit etwas drängeln, erfahren wir, das wir einem kleinen Schleppzug folgen sollen. Langsam fahren wir einfach durch, kein Höhenunterschied!- Olmsted Lock erledigt!
Als "PC" pleasure craft, sind wir nicht sehr wichtig und werden gerne ignoriert.
Der Ohio ist hier voll mit Barges, z.T. mit Ladung, meistens ohne, oder auch nur vor sich hin rottend. Wuselige Tugs jeder Größe, es ist richtig was los und wir sind sehr vorsichtig bei ca 1 kn Strom gegenan, unterwegs. Vor dem Lock, S 2, müssen wir etwas warten. Die Seitenwände bestehen aus riesigen, verrosteten Pollern. Wir sind wieder einmal dankbar, das BROADSWORD so robust ist.
Ursprünglich wollten wir in Paducah bleiben. Bei immer noch 34 grad cel beschließen wir weiter zu gehen, um möglichst noch abends eine angenehme Dusche in der Marina zu bekommen. Ca 25 sm den Kentucky River stromauf. Reizlos und kein Problem.- Das taucht auf, als wir das Kentucky lock erreichen. Mit einiger Mühe, während wir umherkurven, bei ca 2 kns Strom, erreichen wir den Lockmaster. Ja, in ca 2 Std. Wir machen an einem Schleppzug fest, der auch wartet. Die erfahrene Crew nimmt an, dass es frühesten um 3 uhr morgens losgehen könnte. Wir warten drei Stunden und beschließen dann außerhalb des Fahrwassers zu ankern. Dabei stellen wir fest, dass die Winch nicht mehr richtig arbeitet. Na, für die Nacht, auf 2,5 m Tiefe, wird es schon ausreichen. Wie immer, entlasten wir die Winch mit einem Strop. Am nächsten Morgen, Anker auf, per Hand! Der Schleppzug ist im Lock und liegt dort 5 Stunden, während wir, unter Maschine driften. Wir erhalten keine Auskunft.- Nach 22 Stunden haben wir endlich das Lock hinter uns gelassen und rauschen in den benachbarten Lake Barkley, um in die "Green Turtle Bay" Marina zu kommen.
Es gibt tatsächlich die Schildkröten, zu hauf, und sehr angenehme Duschen! Ein guter Liegeplatz, ein gutes und ein rustikales Restaurant, angenehme Menschen, was will man mehr. Ach ja, vielleicht nicht ganz so heiß? Aber wir sind längst in den Subtropen. Normalerweise, wäre man hier erst im Oktober unterwegs.
Nach vier Tagen verlassen wir die Marina und gehen auf dem Kentucky Lake, nach Süden. Da es ein künstlicher Stausee ist, sind auf der Seekarte noch die alten Straßen und Brücken eingetragen. Teilweise sehr flach und man ist gut beraten, dem Fahrwasser zu folgen. - Einen kurzen Badestopp im wunderschönen blauen Wasser noch eingelegt und nach 65 sms in der "Peble Isle" Marina, Leinen fest.
Die Kneipe ist nett und liefert uns zwei Tage lang gutes Essen. Der Hafenmeister ist sehr dick und hat alles unter Kontrolle. Er tut das, was Jürgen seit einer Woche schon immer machen wollte: als sich die Eissäcke im Eislagerschrank verklemmen, springt er mit dem ganzen Körper hinein!
Am Morgen füllen wir noch die Tanks für das Winterlager auf. 489 gls (1900 ltr) für 2,99$ die Gallone. Da fast alle Schiffe, egal wie groß, nur Benzin tanken, gab er uns den alten Preis. Für "gas" hätten wir 3,35$ bezahlen müssen. Hierzu muss man wissen, dass Diesel, gemäß seines höheren Energiegehalts, auch immer teurer als Benzin ist.
Nach 59 sm legen wir abends in der Clifton Marina an. Nicht sehr reizvoll aber ein Schattenplatz.
Jetzt trennen uns nur noch 50 sm von unserem Winterlager, der Grand Harbor Marina. Natürlich auch noch das "Pickwick" lock. Wieder kreisen wir über 2 Std, bei ca 2 kns Strom. Dann aber öffnen sich auch für uns die Tore zur 18 m hohen Schleuse, der letzten in diesem Jahr.
Der Pickwick Lake empfängt uns mit blauem Wasser und wunderschöner Weite. An den Ufern Amerikanische Villen und Häuser. Wir sind zwar " in the middle of nowhere" aber die Amerikaner wissen auch, wo es schön ist. Besonders die aus Memphis.- Die Marina bietet uns einen überdachten Platz mit Stromanschluss für die nächsten 6 Monate. Nach hin und her Schreiberei, hat Jason von der Dickey Werft in NZ, es für am besten befunden, BROADSWORD am Stromnetz zu lassen. Weil doch die Gefahr von länger anhaltendem Frost besteht, wird nun alles "winterized". Auch wird ein kompletter Ölwechsel gemacht und wenn wir Glück haben, die Ankerwinch repariert.

Nach einem halben Jahr geht es wieder nach Europa. Die Big Loop ist noch nicht zu Ende. Wir freuen uns darauf, im nächsten Jahr weiter zu machen!
Wir haben 3.500 sm im Kielwasser gelassen. Hatten auch viel Zeit zwischendurch. Haben 16 Amerikanische Staaten besucht, bedeutende, wie kleine Städte besucht. Sind keinmal 24 Std unterwegs gewesen. Die navigatorischen Herausforderungen waren gut zu bewältigen, aber immer wieder neu und anders.
BROADSWORD ist wie ein Uhrwerk gelaufen und man hatte immer den Eindruck, er kann noch viel mehr. Er hat uns in Kontakt zu unzähligen Menschen gebracht, die wir, wären wir eins von den "weißen Booten" gewesen, nie erreicht hätten.
Wir haben mindestens vier mal Frühling erlebt und "everlasting summer".
Wir haben in den USA eine Infrastruktur genossen, die nirgendwo sonst so gegeben ist.
Kurzum: eine phantastische Reise!